Wasserflughafen von Venedig (Idroscalo di Sant'Andrea)

Wasserflughafen von Venedig (Idroscalo di Sant'Andrea)

20. Mai 2019

Als ab dem Jahre 1913 die ersten Wasserflugzeuge in Europa zum Einsatz kamen, suchte auch das italienische Militär nach einem geeigneten Standort für einen Fliegerhorst. Die Wahl für die italienische Marinefliegerei fiel auf die Lagunenstadt Venedig, die insbesondere wegen ihrer geographischen und topographischen Lage als strategisch vorteilhaft galt. Vorerst entstand auf der venezianischen Basis nur eine Werkstatt und Flugzeugwerft, in der neben der einfachen Montage von französischen Flugzeugen, die von der italienischen Marine gekauft wurden, auch eigene Luftfahrzeugmuster gebaut wurden.

Am 25. April 1913 wurde schließlich die italienische Marinefliegerei mit Gründung der ersten Staffel von Wasserflugzeugen in der Lagune geboren. Bereits wenige Monate später veranlaßte die Entwicklung der Luftfahrtaktivitäten die Marine dazu, die Werkstatt und Werft auf eine neue Basis zu verlegen. Dies sollte im Jahre 1914 die Insel Vignole sein, die nur durch einen schmalen Kanal von der Insel Sant'Andrea entfernt liegt. Während des Ersten Weltkrieges wurde der Wasserflughafen von Venedig, der „Idroscalo di Sant'Andrea“, intensiv für Starts und Landungen italienischer und französischer Flugzeuge genutzt. Von Sant'Andrea aus wurden zahlreiche Aufklärungsmissionen und Bombardierungen feindlicher Stellungen geflogen; ebenso erwies sich der Standort inmitten der Lagune im Rahmen der Verteidigung der Stadt als äußerst wirkungsvoll.

In Italien verlief die Entwicklung der Zivilluftfahrt aufgrund der schwierigen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen nach dem Ersten Weltkrieg langsamer als im übrigen Europa. Dennoch wurde eine der ersten Fluggesellschaften, nämlich die „Transadriatica“ in Venedig geboren. Die Entscheidung, von Venedig aus zu operieren, war einmal mehr aufgrund der vorteilhaften, geographischen Lage an der Kreuzung der Flugrouten zwischen Ost- und Nordeuropa und den südlichen Alpen sowie zwischen Mitteleuropa und Westeuropa getroffen worden.

Weil sich die „Transadriatica“ auf Land-Land-Flugverbindungen beispielsweise nach Wien, Graz und München konzentrierte, nutze sie den Flugplatz Venedig-Lido bzw. „Aeroporto di Venezia-Lido Giovanni Nicelli“, der ursprünglich als „Aeroporto di Venezia San Nicolò“ bezeichnet wurde. So startete am 18. August 1926 das erste italienische Verkehrsflugzeug von San Nicolò über Klagenfurt nach Wien. Der „Aeroporto di Venezia San Nicolò“ war der erste Flughafen Italiens und war bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges - neben dem Flughafen der Hauptstadt Rom - der zweitwichtigste Flughafen für den Passagier- und Frachtverkehr.

Anders als die „Transadriatica“ konzentrierte sich die Fluggesellschaft „Società Italiana Servizi Aerei“ (SISA) vornehmlich auf Flugverbindungen mit Wasserflugzeugen. Von den Standorten Turin, Pavia, Triest wurde der Wasserflugplatz „Idroscalo di Sant'Andrea“ angeflogen. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde der Wasserflughafen Venedigs sowohl für die militärische als auch für die zivile Luftfahrt mit Flugbooten genutzt. Da jedoch der Landflughafen „Aeroporto di Venezia San Nicolò“ aufgrund der begrenzten Größe der Start- und Landebahn und seiner leicht zu identifizierenden, geographischen Lage keinen strategischen Vorteil bot, wurde die Insel Sant'Andrea bereits in den ersten Kriegsmonaten fortan nur noch militärisch genutzt. Obgleich nach dem Zweiten Weltkrieg keine Flugboote mehr zum Einsatz kamen, verblieb der „Idroscalo di Sant'Andrea“ in militärischer Hand. Die gesamte Insel wurde zu einer Basis der amphibischen Truppen der italienischen Armee, der sogenannten „Lagunari“, umgewandelt.